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Unser Tiermedizin-Blog

Der Hundedarm

Entdecken Sie die empfindliche Welt des Hundedarms! Erfahren Sie, warum das Darmsystem so komplex ist und wie es die Gesundheit maßgeblich beeinflusst. Tauchen Sie ein in die Diagnostik von Darmproblemen und lernen Sie, welche Untersuchungen bei lang anhaltenden Verdauungsproblemen Sinn machen. Erfahren Sie, welche Mechanismen den Darm unserer Haustiere schädigen können und wie Sie von Anfang an präventiv handeln können. Mit fundiertem Wissen über die Darmgesundheit können Sie dazu beitragen, dass Ihr Tier ein rundum gesundes und glückliches Leben führt!

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Dies ist sowohl ein geliebtes wie ehrfürchtiges Thema von uns. Geliebt, weil im Darm die Ursache nahezu aller Krankheiten liegt. Ehrfürchtig, weil nichts im Körper so komplex ist wie unser Darmsystem. In einem gesundem Darm tummeln sich 100 Billionen Bakterien aus 500 verschiedenen Stämmen. Auch wenn die Wissenschaft endlich ein Forschungsfeld in diesem Gebiet für sich entdeckt hat, sind diese Stämme so wenig erforscht wie die Tierwelt der Tiefsee. Kein Mensch weiß, wie diese Stämme zusammen arbeiten und was sie für eine Bedeutung haben. Nicht besser sieht es bei unseren Haustieren aus. Klar, man weiß es gibt gute Bakterien (Enterococcus, Bifidobakterien, Lactobacillen…) und schlechte, die krank machen (Clostridien, hämolysierende E. Coli, Salmonellen…).

Auch weiß man, dass das zentrale Nervensystem mit dem enteritischen (darmeigenen Nervensystem) kommuniziert („Kopf im Darm“). Wie das aber alles genau funktioniert… da liegt die Forschung leider noch in den Kinderschuhen. Umso wichtiger ist, dass wir das wenige, das wir über dieses geniale System wissen, für mehr Gesundheit nutzen. Was kann man alles untersuchen lassen, wenn es in dem System hakt? Zunächst die häufigen Ursachen Würmer und Giardien, am besten als Sammelkotprobe über 3 Tage. Es gibt aber noch mehr, denn häufig liegt die Ursache woanders. Bei länger anhaltenden Verdauungsproblemen macht es auf jeden Fall Sinn, noch mehr zu untersuchen. Da wäre schon mal die bakteriologische Untersuchung. Auch wenn Antibiotika nur noch selten angesagt sind, kann man bei Clostridien und co. schon einiges tun. Wenn eine mangelnde Gewichtszunahme eine Rolle spielt, raten wir zur Untersuchung auf Verdauungsrückstände (Stärke, Fett), sowie auf Gallensäuren (Gallensärenverlustsyndrom) und zum Check der Bauchspeicheldrüse. Eine Unterfunktion oder Pankreasinsuffizienz (PI) kann man im Kot über die Pankreaselastase feststellen. Weiter Aufschluss gibt weiterhin eine spezielle Blutuntersuchung (TLI), in der auch eine Entzündung (Pankreatitis) festgestellt wird. Weitere Parameter dafür sind die canine (Hund) bzw. feline (Katze) Pankreaslipase, sowie Amylase und Lipase.

In chronischen Fällen lohnt sich die Untersuchung eines Gastroprofils, in dem zusätzlich zum Pankreas der Vitamin B12 – und Folsäurespiegel bestimmt wird, sowie der Cortisolspiegel. Einen Mangel in ersteren sollte unbedingt ausgeglichen werden. Bei einem niedrigen Cortisolspiegel besteht der Verdacht auf ein Addison Syndrom, welches mittels speziellem Bluttest (ACTH Stimmulationstest) abgeklärt werden kann. Außerdem gibt es aus dem Kot weitere Parameter, die Aufschluss über den Immunstatus geben (sekretorisches IgA) oder ein Leaky Gut Syndrom (Lücken im Darmsystem) aufdecken (Zonulin, Alpha 1 Antitrypsin).

Neuerdings bieten Labore zusätzlich eine Untersuchung auf Dysbiose an (Ungleichgewicht an Darmbakterien). Auch ein Ultraschall macht in vielen Fällen Sinn. Erst wenn das alles geklärt ist, sollte über eine Endoskopie vom Magen-Darmtrakt nachgedacht werden. Ihr seht, genauso komplex wie der Darm selbst, kann sich auch die Diagnostik gestalten. Die Arbeit lohnt sich aber, denn je genauer man über den Zustand des Darmes Bescheid weiß, umso schneller kann man die Schritte in die richtige Richtung einleiten. Und es gibt viele gute Schritte. Wichtig ist nur zu verstehen, dass diese viel Geduld erfordern, wenn man eine nachhaltige Heilung erzielen will. Man stelle sich auf 6 Monate oder mehr ein. Aber es zahlt sich aus. Mit einem rundum gesunden Tier.

Was schadet dem Darm unserer Haustiere?

Um die Mechanismen zu verstehen, müssen wir ganz früh anfangen im Welpenalter bzw. meist sogar noch früher bei der Geburt. Natürlich kann eine Schädigung auch später stattfinden. Leider zeigt die Erfahrung aber immer wieder, dass die Weichen für Probleme im Darmsystem immer früher gestellt werden. Und das sind leider keine Einzelfälle, sondern begegnen uns tagtäglich in der Praxis. Also, was passiert nun, was läuft häufig falsch? Bei der Geburt wird die Darmflora der Mutter auf die Welpen übertragen. In der Zucht wird auf vieles geguckt, Exterieur, Interieur, aber selten auf die Darmgesundheit der Mutter. Falsche Ernährung, zu viele Wurmkuren oder andere Medikamente belasten schon die empfindliche Darmflora. Die wird dann schon als Dysbiose übertragen.

Weiter geht es dann bei den Welpen mit unzähligen Wurmkuren. Häufig werden die Welpen schon 5 oder 6 mal vom Züchter entwurmt, bevor sie in ihr neues Zuhause umziehen, ohne vorherige Kotprobe. Dann natürlich die gängigen Impfungen. Sehr häufig kommt dann die erste Giardieninfektion, die dann auch wieder direkt mit chemischen Medikamenten behandelt wird, dabei noch teilweise mit unwirksamen. Neuere Studien zeigen, dass das Antibiotikum Metronidazol im Jungtieralter die Darmflora nachhaltig für Jahre zerstört. Im schlechtesten Fall kommt dann noch irgendein Infekt dazu oder z.B. eine Junghundpyodermie, die je nach Tierarzt direkt mit Antibiotika abgeschossen wird.

Alles gut und schön, aber die wenigsten denken dabei an einen gleichzeitigen Darmaufbau. Zu wenige interessieren sich für die genauen Zusammenhänge. Dabei wäre eine Unterstützung in die richtige Richtung so wichtig. Die Folgen eines so gestörten Darmsystems sind gravierend. Nicht nur Verdauungsstörungen resultieren daraus, sondern auch z.B. Allergien oder Autoimmunerkrankungen. Durch Störungen im Damsystem werden wiederum Nährstoffe nicht richtig aufgenommen, dafür aber durch die durchlässige Darmschleimhaut Giftstoffe und Säure. Diese werden wiederum über Durchfälle ausgeschieden. Es entsteht ein Teufelskreis.

Was können wir nun tun?

Am besten verhindern, dass es dazu kommt. Dazu gehört zunächst die richtige Auswahl des Züchters. Wichtige Fragen wären: wie wird die Hündin ernährt? Wie oft wird entwurmt? Blind oder nur nach positivem Kotbefund? Ist die Hündin gesund oder zeigt sie irgendwelche Erkrankungen? Insbesondere bei Allergien oder Bauchspeicheldrüsenproblemen sollte man hellhörig werden. Zuhause sollte zunächst erst eine Kotprobe durchgeführt werden, bevor man über weitere Wurmkuren nachdenkt. Impfungen sind wichtig, aber bitte nur so viel wie nötig und sinnvoll. 2 x Impfen reicht in der Regel als Grundimmunisierung. Eine Impfung gegen Borreliose ist selten sinnvoll. Tollwut kann man auch erst nach dem Zahnwechsel impfen, wenn keine Reise geplant ist. Zur Ausleitung am besten gleich Thuja geben und gleichzeitig gerne eine Darmkur durchführen.

Im Falle einer Giardieninfektion kann in milderen Fällen wunderbar pflanzlich behandelt werden, in schweren Fällen mit wirksamen Medikamenten (z.B. Drontal oder Cazitel) und dann immer auch in Kombination mit Substanzen zum Darmaufbau und Überprüfung der Ernährung. Und wenn das Kind dann doch in den Brunnen gefallen ist und die Darmschädigung da ist, gibt es viele therapeutische Möglichkeiten, um die Schäden zu reparieren. Welche das sind, entscheiden wir individuell.

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